Gefährliche Baustellen in Frankfurt – Fußgänger in der Zwickmühle

In der Innenstadt kommt es zu riskanten Situationen. Baustellen zwingen Fußgänger auf Umwege. Die Stadt muss Lösungen finden.

Frankfurt – In Frankfurt gibt es derzeit zwei Baustellen in der Innenstadt, an denen es alle paar Minuten zu gefährlichen Situationen für den Fuß-, Rad- und Autoverkehr kommt. Das zentrale Beispiel ist die sehr große Baustelle der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) vor Oper und Schauspiel. Die Verkehrsgesellschaft hat den kompletten Willy-Brandt-Platz gesperrt, damit sie die Schienen austauschen kann.

Wer sich ein Bild machen möchte, wie brenzlig die Situation ist, der muss sich nur einige Minuten an die Westseite der Baustelle stellen, also mit Blick in Richtung Frankfurter Hauptbahnhof. Es gibt zwar Schilder, die dazu anleiten sollen, nicht am Zaun entlang auf der Straße zu laufen, um die Baustelle zu passieren. Aber wer schaut sich nach diesen Schildern um, wer beachtet sie?

Die meisten Menschen laufen, wenn die Autos an der Gallusanlage vor der Ampel stehen, auf die Straße und an der Baustelle vorbei. Es gibt, wohlgemerkt, auch einige Menschen, die auf die andere Straßenseite wechseln, die Münchener Straße überqueren und nochmal über die Straße gehen, zurück auf den Willy-Brandt-Platz. Sie brauchen, wenn sie alle Ampelphasen beachten, zwei Minuten für eine Distanz, die sonst nur wenige Sekunden benötigt.

Die FR hat bei der Verkehrsgesellschaft angefragt, warum sie keine sichere Fußgängerfurt eingerichtet hat, damit man nicht zwei Minuten Umweg laufen muss. Die VGF ist aber mit sich im Reinen und antwortet so knapp wie möglich. „Auf beiden Seiten sind ausgeschilderte Überwege gemäß den Vorgaben des Straßenverkehrsamts vorhanden.“

Baustellen in Frankfurt sorgen für gefährliche Situationen und Umwege für Fußgänger

Auch auf der Ostseite, wo die Menschen, die die Baustellen passieren wollen, ebenfalls über mehrere Ampeln laufen sollen, gehen viele den Weg direkt am Bauzaun neben der Autospur entlang, weil das schneller geht. Auch an dieser Stelle gibt es keine Fußgängerfurt und auch keinen komfortablen Weg für den Radverkehr. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss auch dort zwei Minuten an den Ampeln warten.

Eine weitere Baustelle in Frankfurt sorgt für regelmäßige Probleme zwischen Fuß- und Radverkehr. Es ist die für das Hochhausprojekt Central Parx an der Bockenheimer Landstraße 10. Die zuständige Baufirma Lupp GmbH & Co. KG lagert dort Bauteile auf dem Gehweg, der dann auch mit Zäunen für den Fußverkehr gesperrt ist.

Und was machen die Fußgängerinnen und Fußgänger? Sie weichen auf den Radweg aus. Wer in Frankfurt regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß das, und fährt gleich auf der Straße bis zur Oberlindau. Aber nicht alle wissen das, und so treffen sich Fußgehende und Radfahrende alle paar Minuten auf dem Radweg. Die Firma Lupp beantwortet die Presseanfrage zu dieser Situation nicht.

Das Straßenverkehrsamt ist da kommunikativer. Der Fußverkehr sollte eigentlich nicht auf dem Radweg laufen, teilt der stellvertretenden Leiter Ingmar Bolle mit. Vielmehr sollen die Fußgänger:innen eigentlich am Opernplatz die Straßenseite wechseln, um dann ein gutes Stück an der Landstraße entlangzulaufen, um dann wieder die Straßenseite zu wechseln. Wer macht das schon?

Frank Nagel (CDU) hat die Situation an der Bockenheimer Landstraße zuletzt in der Fragestunde des Stadtparlaments angesprochen. Der Magistrat antwortete, der Fußweg sei gesperrt, weil an der Straßenbeleuchtung gearbeitet werde. „Tatsächlich lagern da Bodenplatten auf dem Gehweg“, sagt Nagel.

Um die Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr zu vermeiden, wäre ein temporärer Radweg auf der zweiten Fahrspur zwischen Kettenhofweg und Oberlindau sinnvoll, sagt er. Zwar sei der Radweg auf dem Hochbord nicht benutzungspflichtig. Viele fahren aber nicht so gerne ungeschützt auf der Straße.

Fuß- und Radverkehr soll gleichberechtigt berücksichtigt werden

Auch die Sperrung des Willy-Brandt-Platzes findet er in ihrer jetzigen Form nicht optimal. „Die Situation am Willy-Brandt-Platz ist ärgerlich. Sie zeigt aber vor allem, dass Baustellen besser vorbereitet werden müssen, wenn alle Verkehrsarten berücksichtigt werden sollen. Das wäre gut für die Akzeptanz – auch wenn es Auswirkungen auf den Bauablauf hat.“

Frankfurt brauche ein abgestimmtes, stadtverträgliches Baustellenmanagement, das öffentliche Wege schütze und den Fuß- und Radverkehr gleichberechtigt berücksichtige, sagt Nagel.

An der Bockenheimer Landstraße ist die Verkehrsführung an der Baustelle noch bis zum 29. August genehmigt. Der Willy-Brandt-Platz ist voraussichtlich noch bis zum 17. August gesperrt.

Von: Florian Leclerc