Neue Routen für den Fußverkehr

Frankfurt entwickelt bis Ende 2026 eine Strategie – Drei Stadtteile werden detailliert untersucht

Frankfurt entwickelt bis Ende 2026 eine Fußverkehrsstrategie, die den Fußverkehr gleichberechtigt mit dem Autoverkehr und dem Radverkehr machen soll. Schon jetzt legen die Frankfurter die meisten, nämlich 37 Prozent, aller Wege zu Fuß zurück. Gleichwohl sind die wenigsten Fußwege breit genug für Begegnungsverkehr – dafür werden idealerweise 2,50 Meter, mindestens aber 2,20 Meter Gehwegbreite angesetzt. „Wir wollen, dass der Fußverkehr das gleiche Gewicht bekommt wie die anderen Verkehrsarten“, hob Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) hervor. Er verwies auf eine Studie von Tim Althoff von der University of Washington aus dem Fachmagazin „Nature“: Demnach bewegen sich die Menschen umso mehr zu Fuß, je mehr die bauliche Umgebung auf ihre Bedürfnisse eingeht. Zufußgehen fördere auch die Gesundheit, sagte Siefert.

Einige Parkplätze müssen wohl weichen

In einem ersten Schritt lassen das Mobilitätsdezernat gemeinsam mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung die „Gesamtstadt“ untersuchen. Ziel ist eine stadtweite Analyse der Gesamtsituation, die Entwicklung eines Leitbilds und eines stadtteilübergreifenden Hauptfußwegenetzes. Behilflich sind die Beratungsbüros Ifok aus Bensheim und PB Consult aus Nürnberg, die eine europaweite Ausschreibung gewonnen haben.

Die Stadt hat 300000 Euro für die Fußverkehrsstrategie zur Verfügung gestellt. Bürger können sich ebenfalls beteiligen, ihre Ideen und Vorschläge fließen in das Konzept mit ein. 24 Verbände, Ämter und Organisationen, von der Industrie- und Handelskammer über den Verein Fuss, die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft, die Goethe-Universität und die Polizei, sind in einem Arbeitskreis in den Prozess eingebunden. Im Frühjahr 2026 sollen die Vorschläge für die „Gesamtstadt“ vorliegen.

In einem zweiten Schritt wählt die Stadt drei Stadtteile oder Quartiere aus, um tiefer in die Details einzusteigen. „Das sollte vielleicht nicht das Nordend sein, wo schon viel umgesetzt worden ist, sondern vielleicht Sindlingen oder Schwanheim“, schlug Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt vor. Im Nordend gibt es unter anderem zahlreiche Gehwegnasen, die zur Sicherheit der Fußgänger beitragen sollen.

Allekotte ist sich bewusst, dass der Ausbau von Gehwegen wegen der Flächenkonkurrenz zulasten des Gehwegparkens gehen könne. „Wir müssen schauen, was verträglich ist“, sagte sie. Derzeit genehmige das Straßenverkehrsamt neues Gehwegparken nur noch, wenn 2,20 Meter Gehwegbreite übrig blieben. Die Vorschläge zu den drei Stadtteilen sollen bis Ende 2026 vorliegen. Gebaut würde ab 2027. Aus der Opposition im Römer forderte Frank Nagel (CDU) weniger Theorie und mehr Praxis. „Wir brauchen Taten statt Reden. Bürgerinnen und Bürger erwarten keine Leitbilder in ferner Zukunft, sondern heute sichere Querungen, bessere Beleuchtung, mehr Bänke und eine konsequente Ahndung von Falschparkern auf Gehwegen.“

Das Gesamtkonzept für die Mobilität in Frankfurt, den Masterplan Mobilität, haben die Stadtverordneten im Mai 2025 beschlossen. Die Fußverkehrsstrategie ist darin eine von zehn Teilstrategien.

Kaum vorgestellt, kritisierte Frank Nagel, mobilitätspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, die zeitliche Planung: „Dass der Magistrat nun eine Fußverkehrsstrategie anstoßen will, ist richtig. Doch der Weg, den sich Dezernent Siefert ausgesucht hat, ist viel zu langsam. Bis 2026 soll analysiert, diskutiert und geplant werden, bevor 2027 überhaupt erste konkrete Maßnahmen in Modellquartieren umgesetzt werden. Das ist schlicht nicht ausreichend.“ Bürgerbeteiligung sei wichtig – sie dürfe aber nicht zur Alibi-Veranstaltung verkommen.