Höchster Bahnhof wieder geöffnet

Doch das Provisorium ärgert Geschäftsleute und Fahrgäste

Höchst – Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Als die Eingangshalle des Höchster Bahnhofs vor einer Woche wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde, dachten viele, die angekündigte Schließungszeit von sieben Tagen würde sicher überschritten. Aber siehe da: Die Bahn war zumindest bei der Wiederöffnung pünktlich

Um 13 Uhr gehen am Donnerstag, wie kurz zuvor angekündigt, die Absperrgitter vor dem Haupteingang und dem Gleistunnel hoch, die Fahrgäste strömen wieder hinein und hinaus. „Zum Glück läuft nun wieder alles normal“, sagt eine Höchsterin, die täglich viel Zeit verloren hat, weil sie morgens den Umweg über die Königsteiner Straße zum Hinterausgang und abends wieder zurück machen musste. Auch die alternativ angebotene kurze Fahrt mit dem Sonderbus kostete Zeit. Ein junger Mann, der offenbar sehr gut zu Fuß ist, meint dagegen, der tägliche Umweg zur Schule habe ihm nichts ausgemacht

So eng wie in einer Fotobox

„Riecht noch alles neu“, sagt eine junge Frau, die gerade mit ihrer Freundin die Eingangshalle betritt. In dieser geht es jetzt so eng und ungemütlich zu wie in den kleinen Boxen der beiden Passfoto-Automaten direkt am Eingang.

Neu ist in der akut sanierungsbedürftigen, denkmalgeschützten Halle bisher nur das Stützgerüst aus Stahl und Aluminium, das den Einsturz der Decke verhindern soll. Unten sind etliche Schutzwand-Gestelle aufgestellt, um das Gerüst zu sichern. Sie verengen die Durchgänge für die Fahrgäste beträchtlich. Wer an die Fahrkartenautomaten will, muss sich ziemlich dünn machen. Rollstuhlfahrer hätten keine Chance, ein Ticket zu ziehen. Sie müssen künftig zum Nordausgang.

Aber die Schutzgestelle sind nötig, damit niemand auf abenteuerliche Ideen kommt. „Ansonsten hätten wir bald einen gefährlichen Klettergarten hier“, sagt ein Mitarbeiter vom Bahnhofsmanagement. Jetzt freuen sich nur ein paar Tauben über die neuen Flug- und Landeplätze. Ein anderer Mann vom Bahnhofsmanagement sagt, mit der Schließung und Wiedereröffnung habe alles reibungslos geklappt. Das mag, was das Technische betrifft, zutreffen. Doch zumindest am ersten Schließungstag wurden die Fahrgäste am Hinterausgang in der Adelonstraße nicht ausreichend informiert, viele irrten ratlos herum (wir berichteten).

Begeistert von der Schließung war auch der Inhaber des Bahnhofskiosks, Shajan Kumar Chakraborty, nicht. „Ich habe durch die sieben Tage Schließung einen Umsatzverlust von etwa 14000 Euro“, sagt er angesäuert. Da die Reisenden durch die Schutzgestelle seinen Kiosk wohl auch künftig leicht übersehen könnten, ist er auch mit dem Provisorium alles andere als zufrieden.

Umsatzverlust von 14000 Euro

Entspannter sieht man die Lage beim italienischen Feinkostgeschäft, das in der vergangenen Woche allerdings auch nicht hatte schließen müssen, sondern zumindest den Verkauf zur Straße hin weiterbetreiben konnte. „Besser als gar nichts“, sagt dann auch Allesio Benincasa, 18-jähriger Sohn des Inhabers, zur aktuellen Lage, und blickt dabei auf ein Schutzgestell direkt vor dem Verkaufsfenster. „Es gibt Schlimmeres.“

Komplett schließen muss während des Provisoriums das Buch- und Zeitschriftengeschäft in der Halle, denn es ist komplett zugestellt

Wahrscheinlich werden die Geschäftsleute und die Reisenden auf Jahre (bei der Bahn heißt es: „bis auf Weiteres“) mit dem jetzigen Zustand der Halle leben müssen. Denn wann die kostspielige, längst überfällige Sanierung kommt, ist nicht abzusehen.

Frank Nagel, verkehrspolitischer Sprecher der Frankfurter CDU, der sich gerade ein Bild der Lage macht, sagt: „Hier sehen wir unser Problem: Es gibt zwar durch das Sondervermögen des Bundes Geld für neue Projekte, aber keins zum Erhalt der vorhandenen Infrastruktur.“ Der Höchster Bahnhof ist dafür tatsächlich ein gutes oder auch schlechtes Beispiel.