IHK: 2035 für Klimaziele unrealistisch

Frankfurt – Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt fordert die Stadt Frankfurt auf, das Ziel der Klimaneutralität zeitlich zu strecken. Bis 2035 keine Treibhausgase mehr auszustoßen oder die entsprechende Menge auszugleichen, sei „technisch, personell und wirtschaftlich nicht umsetzbar“. Anlass ist die Verzögerung des Ausbaus der U-Bahn-Linie 5 ins Europaviertel. Dass sich der Betriebsbeginn bis 2029 verschiebt, sieht die IHK mit Sorge. Sie warnt vor unrealistischen Zeitplänen bei der Weiterentwicklung von Verkehrswegen und Energiesystemen zur Klimaneutralität.

In Frankfurt und ganz Deutschland fehlten immer öfter Kapazitäten nicht nur für Gleisbauarbeiten wie bei der U 5, sondern auch für die Straßen-, Energie- und Gebäudeinfrastruktur. Es gebe nicht genug Arbeitskräfte wie Bauarbeiter, Monteure und Ingenieure, aber auch zu wenig Fachpersonal für Planungen und Genehmigungen. Das Ziel der Klimaneutralität sei zwar grundsätzlich richtig, aber das Tempo müsse der Realität mit langen Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten angepasst werden. Im Nahverkehr dauere es noch Jahre, bis die Regionaltangente West, die Nordmainische S-Bahn und die Elektrifizierung der Taunusbahn fertiggestellt seien. Auch der Ausbau des Fernwärme- und Stromnetzes sei realistisch erst in Jahrzehnten zu bewältigen.

Für die CDU-Fraktion im Römer nannte Frank Nagel die Verzögerung des U-Bahn-Baus einen „Weckruf“. Der Ausbau des Nahverkehrs stocke insgesamt. Das Mobilitätsdezernat müsse Ausbauprojekte priorisieren, verlässliche Fahrpläne sichern und Meilensteine setzen. Daniela Mehler-Würzbach (Die Linke) spricht von einem „Skandal“, der ein Versagen des Marktes zeige.