Konzepte für Mainkai gesucht

Restkoalition macht Druck, die Mainuferstraße umzuwidmen / CDU ist dagegen

In Frankfurt sprechen sich die Grünen, SPD und Volt im Römer für einen Umbau des Mainkais aus. Die Fraktionen haben jeweils unterschiedliche Ansätze.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch bekräftigte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau die Position, die schon die SPD-Parteivorsitzenden Ina Hartwig und Kolja Müller vertreten hatten: Mainkai-Sperrung ja, dann aber mit einer vierspurigen Berliner Straße. „Partei und Fraktion sprechen immer mit einer Stimme“, sagte sie.

Vor der Sperrung des Mainkais sei ein Verkehrskonzept nötig, für das das Verkehrsdezernat zuständig sei. Es sei klar, dass der Autoverkehr nicht verschwinde, wenn man den Mainkai dauerhaft für Kfz sperre, vielmehr verteile er sich, etwa nach Sachsenhausen und auf die Berliner Straße. „Wenn die verschiedenen Konzepte vorliegen, können wir uns eine informierte Meinung bilden“, sagte sie. Die Radfahrstreifen auf der Berliner Straße zurückzunehmen sei möglicherweise nötig für einen „fairen Verkehrsmix“.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Knacker verwies auf das städtebauliche Konzept aus dem Dezernat von Marcus Gwechenberger (SPD), das nötig sei, um die Mainkai-Umwidmung voranzutreiben. In Frankfurt fehle eine Verbindung aus der Neuen Altstadt hinunter zum Main. Die dauerhafte Öffnung des Mainkais für den Fuß- und Radverkehr würde den Menschen Stadtraum zurückgeben. Die Wegnahme der Radfahrstreifen auf der Berliner Straße und vier Fahrspuren für den Autoverkehr sieht sie kritisch. Durch den Umbau der Haltestelle Börneplatz musste eine Fahrspur reduziert werden, sagte sie. Damals seien die Radfahrstreifen markiert worden. Eine Vierspurigkeit gehe zulasten des ÖPNV.

Debatte über die Berliner Straße

Volt sieht in der Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr „ein Schlüsselprojekt für die gesamte Stadtentwicklung“, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Sebastian Panschar mitteilte. Im Koalitionsvertrag von 2021 habe sich die Koalition verpflichtet, den Mainkai bis 2026 umzugestalten. „Dieses Versprechen an die Bürger:innen wollen wir jetzt einlösen.“ Die Konzepte für Gestaltung und Verkehr müssten die Dezernate nun beauftragen. Den Prozess der Straßen-Umwidmung gelte es zu beschleunigen. Eine Wegnahme der Radfahrstreifen auf der Berliner Straße sieht er kritisch. Das Mobilitätsdezernat nannte auf Anfrage keinen Zeitpunkt für die Umwidmung der Straße.

Die CDU im Römer spricht sich in einem Antrag gegen die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr aus. „Eine dauerhafte Sperrung lehnen wir ab. Sperrungen kommen nur temporär zu klassischen Großveranstaltungen infrage und sind eng zeitlich zu fassen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher, Frank Nagel.

Der Magistrat soll demnach ein Nutzungskonzept für den Mainkai entwickeln, bei dem der Mainkai gestalterisch aufgewertet werde, für Kraftfahrzeuge durchlässig bleibe und für den Fußverkehr Aufenthaltsbereiche entstünden. Die CDU-Fraktion hatte zuvor einen „Platz am Fahrtor“ vorgeschlagen, um den Mainkai aufzuwerten, ohne die Straße für den Autoverkehr zu sperren.

Die CDU-Fraktion begründet ihren Antrag damit, dass die Straßensperrung in der Vergangenheit zu Verlagerungseffekten in die Wohngebiete in Sachsenhausen und in die Innenstadt geführt habe. „Bei staubehafteten Straßen, auf denen neue Radwege abmarkiert wurden, führen wir eine objektive, einjährige Messphase für alle Verkehrsarten durch und nehmen ergebnisabhängig Korrekturen vor“, sagte Nagel mit Blick auf die Berliner Straße.

Der Mainkai war von August 2019 bis August 2020 für den Verkehr gesperrt. Seitdem gab es wiederholt den „Sommer am Main“. Die städtische Website sommerammain.de ist mittlerweile offline.