3-Gänge-Restaurant auf Schienen

Die RMV hat 400 Karten verlost für eine Fahrt durch Frankfurt im Straßenbahn-Oldtimer. Innerhalb von 13 Fahrten tuckerte er durch die Frankfurter Innenstadt. Dazu gab es ein 3-Gänge-Menü.  

Eine Karte mit Köstlichkeiten, zu raffiniert, als dass man sie in Kürze beschreiben könnte. Dabei bei offenem Fenster den Fahrtwind im Gesicht und leise Musik in den Ohren – so fühlt sich eine Fahrt mit dem Tram-Restaurant an.

Von Ende Juni bis Anfang Juli fuhr das Restaurant auf Schienen durch die Stadt. Dabei waren nicht nur der Zeitrahmen, sondern auch die Plätze begrenzt. Innerhalb des 30-Jahre-Gewinnspiels der RMV konnten 400 Kundinnen und Kunden einen Platz für eine der 13 exklusiven Fahrten ergattern. „Das ist ein schöner Anlass für uns, Danke zu sagen“, sagt Florian Dubbel, Pressesprecher des RMV. Der Verkehrsverbund schob das Konzept an, das Jahre zuvor von Simon Horn, Geschäftsführer des Restaurants Margarete, entwickelt worden war und „lange in der Garage vor sich hin staubte“.

Alle Zutaten mit dem RMV erreichbar

Das Besondere an dem Drei-Gänge-Menü? „Es sind alles Zutaten, die mit der RMV erreichbar sind“, erläutert Horn. Damit meint er keineswegs Zutaten, die an Bord käuflich sind, sondern Lebensmittel, die allesamt aus der Region kommen. Serviert werden sie in einem Straßenbahnoldtimer des Typs „O“ aus den 1960er Jahren. „Den hab ich 1988 selber gefahren“, erzählt Peter Wirth alias „Bahnbabo“, der auch mitgefahren ist.

In einem beweglichen Restaurant ist so einiges zu beachten. In erster Linie sollten die Teller bei einer Bremsung nicht sofort vom Tisch rutschen. „Wir haben in der Testphase mit Kunstrasen, Sand und anderen Texturen gearbeitet, bis wir letztendlich auf die Löcher gekommen sind“, sagt Horn. Auf den ersten Blick bleiben sie unbemerkt, doch sobald man den Teller oder das Glas hebt, sieht man die Löcher im Tisch. Zum Servieren sind die Fahrtbedingungen nicht gerade optimal. „In der Kurve keinen Wein einschenken. Das mussten wir auch lernen – aber zum Glück schon auf der Probefahrt“, sagt Tamim Ayubi, der im Tram-Restaurant bedient.

Und Kurven gibt es einige. Die Bahn fährt entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Frankfurts. Vom Römer aus zum Willy-Brandt-Platz, weiter am Hauptbahnhof vorbei direkt in den Stadtwald, bis an den Rand der Stadt und zurück. Hinter dem Fahrhebel sitzt Frank Nagel, Vorsitzender des Vereins Historische Straßenbahn. Als Fahrer des Restaurants ist es seine Aufgabe, einerseits ruhig genug zu fahren, dass dem Gast das Steak nicht vom Teller rutscht, und anderseits flink genug, um keinem Linienzug im Wege zu sein.

Das Konzept des Tram-Restaurants scheint aufzugehen. Dunja, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen mag, sagt: „Das Essen hat uns super abgeholt, man merkt, dass es auf hohem Niveau ist“. Auch der „Bahnbabo“ beschreibt das Menü als fantastisch.

Wie es in Zukunft weitergehen soll, ist noch nicht geklärt. Florian Dubbel sagt: „Das Konzept wird sicherlich weitergehen in den Händen der Margarete“. Wenn es nach dem Geschäftsführer geht, ist eine Fortsetzung gut denkbar. „Umso mehr Leute anfragen, desto wahrscheinlicher ist es.“ Bisher sei die Resonanz großartig. Wird die Idee aufgegriffen, sind allerlei Programmausweitungen möglich. So stellt Horn in Betracht: „Vielleicht steigen dann eines Tages Künstler an einigen Stationen ein und es gibt Livemusik“.

Von: Julia Rojewska