Robo-Taxi auf dem Campus

Ein selbstfahrender Kleinbus fährt testweise am Gelände der Fachhochschule Frankfurt.

Elektrisch surrt der Kleinbus seit Dienstag über den Campus der Fachhochschule Frankfurt (University of Applied Sciences), vorbei an den Studenten. Kommt einer von ihnen dem autonomen Fahrzeug mit Namen Cube zu nahe, bremst es selbstständig oder hält an.  Noch morgen und übermorgen können allen Interessierten – ohne einen Fahrschein kaufen zu müssen – mit dem Gefährt fahren, während ein sogenannter Operator den Bus von innen überwacht. Den Testversuch auf dem FH-Gelände haben der Autozulieferer Continental, der Hersteller Easymile und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) organisiert. Die Fachhochschule wertet das Feedback aus. Cube steht übrigens für „Contintental Urban Mobility Experience“.

„Die Mobilitätswelt ist im Umbruch“, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer, der sich viel von autonomen Kleinbussen verspricht. Sie könnten den Nahverkehr in innerstädtischen Quartieren oder im ländlichen Raum „ergänzen oder revolutionieren“. Konkret stellt sich Rüffer vor, dass autonome Kleinbusse, in denen sechs Menschen sitzen und weitere sechs stehen können, die Fahrgäste nach Anfrage per Smartphone-App zur nächsten Haltestelle für U- oder Straßenbahnen fahren könnten. „In Frankfurt hätten wir sofort einige Ideen, wo man die Kleinbusse einsetzen könnte.“

Es mangelt noch an nötigen Gesetzen

Zum Beispiel auf der sogenannten Campus-Meile entlang der Nibelungenallee, sagt Frank Dievernich, der Präsident der FH Frankfurt, der das Fachhochschulgelände für die Testfahrt bereitstellt. Dievernich stellt sich eine Verkehrsverbindung zwischen den auf der Nibelungenallee ansässigen Institutionen vor.

Doch der deutsche Gesetzgeber hat dafür noch keinen Rahmen geschaffen. Im Straßenverkehr mitfahren dürfen die autonomen Fahrzeuge nicht. Deswegen finden die Testversuche wie im bayerischen Bad Birnbach oder zuletzt am Frankfurter Flughafen bislang ausschließlich auf privatem Grund statt.

Noch ungeklärt ist auch die Frage der Haftung bei Unfällen. Im März hatte ein selbstfahrendes Fahrzeug von Tesla, Typ Model X, in den Vereinigten Staaten einen tödlichen Unfall verursacht. Auf dem Campus der Fachhochschule sind alle versichert, die mit dem Kleinbus in Berührung kommen sollten, sagt Andree Hohm von Continental. Sicherheitshalber fahre der Bus, der bis zu 40 Stundenkilometer schnell sei, dort auch mit gedrosseltem Tempo. Unterschiedliche Sensoren wie Kameras, Radar und Laser sorgten dafür, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. „Wenn es ein Hindernis gibt, bleibt er stehen.“ Die Kosten für ein solches Fahrzeug beziffert Hohm auf einen „niedrigen sechsstelligen Betrag“. Das entspricht in etwa einem Standard-Dieselbus, der rund 250 000 Euro kostet.

Die Kosten für den dreitägigen Testversuch seien nicht der Rede wert, meint VGF-Chef Rüffer. „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, wie diese Busse aussehen und fahren.“ In Hessen müssten noch einige Gutachten erstellt und Nachweise erbracht werden, dann könnte es zu dauerhaften Einsatz kommen, sagte er.

„Eine Verbindung zwischen den Campus-Gebäuden können wir schon jetzt nahezu leisten“, betont Andree Hohm. In Großstädten wie Bangalore in Indien hingegen werde ein Betrieb im Straßenverkehr wohl noch zehn Jahre dauern.

Aufgrund der Genehmigungsprozesse hierzulande rechnet Frank Nagel, Verkehrsfachmann der Frankfurter CDU, mit einem möglichen dauerhaften Einsatz von autonomen Kleinbussen in etwa zwei Jahren. Andree Hohm erinnert an Untersuchungen, die voraussagen, dass bis 2050 zwei Drittel aller Menschen in Großstädten leben werden. „Wir werden die Stadt der Zukunft nicht mehr leisten können, wenn jeder autonom fährt“, sagt Petra Schäfer. Sie erforscht an der FH Frankfurt das autonome Fahren.