Stadt will Zufahrt für Laster sperren

Taunusstraße als Sackgasse: Planungsamt erfragt Liefer-Bedarf der Anlieger

Innenstadt – Es wird ernst für die Anlieger in der westlichen Taunusstraße: Die Stadt geht mit der Planung für die Umwandlung zur Sackgasse voran. Die Anlieger wurden nun gebeten, ihren Bedarf beim Anlieferverkehr mitzuteilen. Denn: „Eine Anlieferung mit größeren Fahrzeugen in dem Abschnitt zwischen Moselstraße und der Straße Am Hauptbahnhof wird nicht mehr möglich sein.

Das teilt das Stadtplanungsamt den Anliegern in einem vor einigen Tagen zugestellten Schreiben mit. Und davor haben einige Gewerbetreibende Angst. „Die Durchfahrt komplett gesperrt? Als Sackgasse kann ich mir das nicht vorstellen“, sagt Ralph Haerth von der Eigentümerinitiative Bahnhofsviertel. Sie ist ein Zusammenschluss von Hauseigentümern und Gewerbetreibenden.

„Für motorisierten Verkehr“ Straße zu

Die Durchfahrt durch die Taunusstraße von Ost nach West, vom Anlagenring zum Hauptbahnhof, will die Stadt bald dichtmachen, nur Radfahrer sollen noch durchkommen. Auch wird die Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof bis Ende des Jahrzehnts erheblich ausgebaut und erhält dabei längere Bahnsteige. Die blockieren dann das Weiterfahren von der Taunusstraße Richtung Baseler Platz oder Poststraße.

Nicht nur: Auch das Abbiegen in die Düsseldorfer Straße entfällt dann, weil diese Straße in Fahrtrichtung Messe für ein zweites Straßenbahngleis gebraucht wird, daneben eine Fahrradspur. Letzte Alternative: Abbiegen in die Karlstraße. Doch hier ist die Kurve aus Sicht der Stadt für Schwerverkehr zu spitz. Deshalb soll die Taunusstraße ab der Moselstraße mindestens zur Sackgasse werden. Und genau dazu will nun das Stadtplanungsamt den Bedarf der Anlieger erheben.

Weil die Taunusstraße nach dem Umbau der Straßenbahnhaltestelle „auch für motorisierten Verkehr gesperrt werden muss“, gebe es keine Wendemöglichkeiten für Lastwagen, heißt es im Schreiben des Stadtplanungsamtes an die „Ladenbesitzer in der Taunusstraße“. Und: „Um frühzeitig die Bedarfe der Anlieger in der Planung berücksichtigen zu können, möchten wir Sie bitten, uns über Ihre aktuelle Anlieferung zu informieren“ – bis Mitte September.

„Logistisches Problem“ droht

Die Läden und anderen Anlieger zwischen Mosel- und Ecke Karlstraße von der Belieferung per Lastwagen abzuschneiden, lehnt die Eigentümerinitiative ab. „Eine Andienung per Lkw muss möglich sein“, fordert Ralph Haerth. Sonst hätten die Anlieger „ein logistisches Problem“, aber auch Feuerwehr und Müllabfuhr. Denn auch die müssten per Lastwagen und Drehleiter diesen Bereich erreichen und aus ihm wieder wegfahren können. Eine so lange Strecke mit Schwerverkehr im Rückwärtsgang zu fahren würde stetig Gefahrensituationen verursachen.

„Dass hier ohne echte Not eine komplette Durchfahrt gekappt werden soll, ist nicht nur für Anlieger und Lieferverkehr problematisch, sondern auch verkehrspolitisch kurzsichtig“, findet Frank Nagel, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer.

Das sei „überzogen, städtebaulich schlecht abgestimmt und verkehrlich nicht zu Ende gedacht“. Allein die überdimensioniert geplante Fahrradspur am Hauptbahnhof verhindere das Offenhalten der Ausfahrt.

Auch habe die Stadt keine Alternativen geprüft, um Durchgangsverkehr herauszuhalten, wie Diagonalsperren oder ein Umdrehen der Einbahnstraße. Die Abfrage sei „ein erster, aber deutlich verspäteter Schritt“, sagt Nagel. Es fehle eine Beteiligung aller Betroffenen. Bis diese erfolgt sei, solle die Stadt die Sackgassen-Pläne aussetzen.