Taunusstraße soll zur Sackgasse werden

Vor dem Frankfurter Hauptbahnhof soll die Haltestelle für die Straßenbahnen ausgebaut werden. Dass die Taunusstraße in diesem Zuge zur Sackgasse werden soll, könnte der nächste Zankapfel im Bahnhofsviertel werden.

Wann geschieht die Anlieferung und mit welchen Fahrzeugen? Wo halten sie genau? Und wie wird die Ware vom Lieferfahrzeug zum Laden transportiert? Solche Fragen sollen derzeit Geschäftsleute am westlichen Ende der Taunusstraße zwischen Moselstraße und Hauptbahnhof beantworten. Das Stadtplanungsamt erkundigt sich, weil die Taunusstraße zu einer Sackgasse werden soll. Eine Folge der geplanten Erweiterung der Straßenbahnhaltestelle vor dem Hauptbahnhof auf vier Gleise.

Die Pläne dafür sind Anfang vergangenen Jahres vorgestellt worden, und kurz darauf haben die Stadtverordneten das Geld für die detailliertere Planung freigegeben. Mit der Erweiterung der Haltestelle um zwei zusätzliche Gleise gehen Änderungen für den übrigen Verkehr einher. Die drei gerade zum Hauptbahnhof führenden Straßen bekommen verschiedene Aufgaben zugewiesen. Die Münchener Straße, auf der die Straßenbahn schon jetzt fährt, ist Nahverkehrsachse, die Kaiserstraße ist Fußgängerachse und die Taunusstraße ist dem Radverkehr vorbehalten. Für den motorisierten Verkehr endet sie künftig vor der Einmündung in die Straße Am Hauptbahnhof.

Hotels könnten Probleme bekommen

Die Befragung der Gewerbetreibenden ist für die CDU Anlass, ihre Ablehnung der Pläne zu bekräftigen. Die Erweiterung der Haltestelle sei zwar richtig, sagt der verkehrspolitische Sprecher Frank Nagel. Aber die komplette Durchfahrt der Taunusstraße zu kappen, sei nicht nur für Anlieger und Lieferverkehr problematisch, sondern verkehrspolitisch kurzsichtig. Nagel nennt die Absicht „überzogen, städtebaulich schlecht abgestimmt und verkehrlich nicht zu Ende gedacht“. Das dürften auch manche Geschäftsleute so sehen.

Ralph Haerth von der Eigentümerinitiative Bahnhofsviertel fragt sich, wie die vier Hotels an der Düsseldorfer Straße beliefert werden sollen – zumal Autos künftig auch nicht mehr von Süden auf der Düsseldorfer Straße Richtung Platz der Republik fahren können, sondern rechts auf die Karlstraße abbiegen müssen. Zumindest für Lieferverkehr, Feuerwehr und Müllabfuhr müsse die Taunusstraße offen bleiben. Haerth vermutet, dass Hoteliers gegen die Pläne klagen werden. Schließlich würden auch sie mit Lastwagen beliefert, etwa für den Wäscheservice.

Wird das Bahnhofsviertel zum Superblock?

Auf der Taunusstraße allerdings werde es keine Wendemöglichkeit für Lastwagen geben, heißt es in dem Schreiben an die Ladenbesitzer. „Eine Anlieferung mit größeren Fahrzeugen in dem Abschnitt zwischen Moselstraße und der Straße Am Hauptbahnhof wird nicht mehr möglich sein.“ Das Mobilitätsdezernat verweist zur Begründung auf die Angaben in der Planungsvorlage. Die vergrößerte Haltestelle lasse ein Linksabbiegen aus der Taunusstraße nach Süden Richtung Baseler Platz nicht zu. Außerdem bekomme die am Bahnhofsvorplatz entlangführende Straße zu beiden Seiten einen breiten Radweg und werde für Autos in jeder Richtung nur noch einspurig befahrbar sein.

Bleibt das Abbiegen aus der Taunusstraße nach rechts in die Karlstraße. Das wäre zwar „geometrisch“ möglich, die Fläche also wäre da, erläutert das Mobilitätsdezernat. Doch weil sich an dem Knotenpunkt Nahverkehr, Fußgänger, Radfahrer und Autos kreuzten, ließe sich der Verkehr nicht zufriedenstellend abwickeln. Die nötige Leistungsfähigkeit werde nicht erreicht. Um die wichtige Querung für den Fuß- und Radverkehr nördlich der Haltestelle mit Ampeln zu regeln, könne die Ausfahrt für den allgemeinen Verkehr aus der Taunusstraße nicht mehr zugelassen werden. Denkbar sei das nur für Rettungsfahrzeuge im Einsatz.

Aus Sicht Nagels sind dafür auch die „überdimensioniert“ geplanten Radwege verantwortlich. Alternativlösungen wie Diagonalsperren oder eine Einbahnstraßenumkehr seien nicht geprüft worden. Es entstehe der Eindruck, ohne demokratischen Beschluss solle das Bahnhofsviertel zum verkehrsarmen Superblock umgestaltet werden. Das Wort ist tatsächlich in Zusammenhang mit den zahlreichen Veränderungen immer wieder gefallen. Denn der Verkehr soll auf dem Hauptstraßennetz gebündelt werden: Von Süden über den Hauptbahnhof in die Karlstraße und von dort auf die Mainzer Landstraße, von Norden über die Gallusanlage und die Gutleutstraße Richtung Süden.

Von: Bernhard Biener