Stadt errichtet Zeltunterkunft für Obdachlose
Update, 30. Juni, 16 Uhr: Nach dem Ende der Notübernachtung in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor hat die Stadt Frankfurt kurzfristig eine provisorische Zeltunterkunft in der Eschenheimer Anlage eingerichtet. Am Montagnachmittag bauten mehr als 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie freiwillige Helfer insgesamt fünf Zelte mit Platz für jeweils 20 Menschen auf.
Nach Angaben der Stadt waren die Feldbetten in der Nacht zum Dienstag vollständig belegt. Gemeinsam mit dem Frankfurter Verein wurde die Versorgung der obdachlosen Menschen sichergestellt. Zudem ist die Aufstellung mobiler Toiletten geplant. Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl erklärte, man habe innerhalb weniger Stunden eine Lösung geschaffen, nachdem sich keine geeignete Halle oder kein Gebäude für die Unterbringung gefunden habe. Angesichts der angekündigten Gewitter sei es das Ziel gewesen, „keinen Menschen in unserer Stadt schutzlos zurückzulassen“.
„Notunterkunft“ für Wohnungslose schließt
Erstmeldung, 30. Juni: Jahrelang war sie eine Rettung in kalten Nächten, jetzt droht das Aus: Die B-Ebene am Eschenheimer Tor – Frankfurts größte Notübernachtungsstelle – darf künftig nicht mehr von Wohnungslosen genutzt werden. Für die Behörden gilt der Ort nicht mehr als Provisorium, sondern ist im Dauerbetrieb. Wie die VGF jetzt mitteilt, wurde in der Folge ein neues, strengeres Brandschutz-Gutachten notwendig. „Dieses ergab eine Gefährdung von Leib und Leben der Obdachlosen, selbst im Falle eines kleinen Brandes“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Ergebnis könne die VGF nicht ignorieren, auch wenn ihr bewusst sei, dass die Entscheidung für die betroffenen Menschen schwerwiegende Folgen habe.
Das Frankfurter Sozialdezernat wurde von der VGF bereits Anfang Juni 2026 über den Schritt informiert. Die offizielle Kündigung an den Betreiber, den Frankfurter Verein, steht allerdings noch aus: Wegen der anhaltenden Hitzewelle wurde sie aufgeschoben, soll aber in den nächsten Tagen folgen.
SPD erwartet eine schnelle Lösung
In der Stadtpolitik werden dazu verschiedene Stimmen laut. Die SPD-Fraktion im Römer erwarte, dass der Magistrat schnell eine Alternative finde. Kolja Müller (SPD) zeigt sich verwundert darüber, dass der Magistrat nicht schon längst nach einer Alternative gesucht hat. „Im Idealfall hätte man dann mit der Schließung gleich eine neue Lösung präsentieren können. Jetzt muss wie so oft unter Zeitdruck gehandelt werden“, so der Fraktionsvorsitzende der SPD.
Grünen kritisieren VGF für Schließung
Die Sprecher der grünen Stadtteilgruppe 1, Stella Ehlers und Thomas Blob, kritisieren das Vorgehen der VGF. In einer Stellungnahme warnen sie vor den drastischen Konsequenzen für die Betroffenen. Zudem löse die Räumung das Problem nicht, sondern verlagere es nur: Die Wohnungslosen würden künftig unkontrolliert auf andere Stationen oder Bahnsteige ausweichen, was auch nicht im Interesse der VGF sein könne. Julia Eberz, Grünen-Stadtverordnete und Mitglied des VGF-Aufsichtsrats, warf der Geschäftsführung der VGF vor, vor „populistischen Forderungen von rechten Parteien einzuknicken“, die Obdachlose lediglich aus dem Stadtbild vertreiben wollten.
Die mobilitätspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kristina Luxen, verurteilt diese Kritik an der VGF. „Kernaufgabe der VGF ist ein funktionierender und sicherer öffentlicher Personenverkehr und nicht die Unterbringung obdachloser Menschen”, so Luxen. Die VGF habe, trotz bestehender Bedenken, die Nutzung der U-Bahn-Station lange mitgetragen und unterstützt. Man solle froh sein, dass bisher nichts passiert sei und jetzt intensiv nach besseren Lösungen suchen.
CDU: Menschenwürdige Alternative ist wichtig
Auch Frank Nagel, mobilitätspolitischer Sprecher der CDU, betont, dass die Gründe für die Schließung ernst zu nehmen seien. „Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen, dass die dauerhafte Nutzung der B-Ebene auch unter Brandschutzgesichtspunkten kritisch zu bewerten ist“, so Nagel. Jetzt sei es wichtig, eine schnelle und menschenwürdige Alternative zu finden.
