Mit der U-Bahn zur Sachsenhäuser Warte
Mehrheit im Mobilitätsausschuss stimmt für den Generalverkehrsplan “Schiene 2035+”
Frankfurt – Die CDU-Fraktion im Römer bekräftigt ihr Nein zu einer dauerhaften Sperrung des Mainkais und fordert auf der Berliner Straße eine klare Führung. „Frankfurt braucht verlässliche Verkehrslösungen statt ideologischer Experimente“, sagt der mobilitätspolitische Sprecher Frank Nagel. „Unser Ziel ist eine Innenstadt, die erreichbar bleibt und zugleich spürbar an Aufenthaltsqualität gewinnt – Entscheidungen müssen im Netz gedacht werden, nicht als Insellösungen.
Eine Dauersperrung des Mainkais komme nur bei Großveranstaltungen infrage. Die Konservativen fordern vom Magistrat vielmehr ein „integratives Nutzungskonzept, das verkehrliche Durchlässigkeit mit Aufenthaltsqualität verbindet“. Dazu zählen sie unter anderem die Aufwertung des Platzes am Fahrtor/Leonhardskirche, zusätzliche gesicherte Querungen, Tempodämpfung durch klar gestaltete Knotenräume sowie eine klare Führung für Fuß- und Radverkehr. Die CDU baut bei ihrem Antrag auf die Zustimmung der SPD .
Den Radstreifen auf der „Berliner“ empfindet Nagel als „Torso“. Die Sicherheit erhöhe er nicht. Vorschlag der CDU: „Bei staureichen Straßen, auf denen neue Radwege abmarkiert wurden, führen wir eine objektive, einjährige Messphase für alle Verkehrsarten durch und nehmen ergebnisabhängig Korrekturen vor.“ Unabhängig davon seien die Ampelschaltungen zu optimieren, besonders am Paulsplatz. Und: „Bis das Parkleitsystem wieder läuft, brauchen wir – auch am Parkhaus Hauptwache – sofort gut sichtbare Vorabhinweise, damit die Zufahrt am Kornmarkt und bis hin zur Berliner Straße nicht dauerhaft ver Der Mobilitätsausschuss hat dem Generalverkehrsplan “Schiene 2035+” nahezu einmütig zugestimmt. Der Plan sei “im positiven Sinn eine Wundertüte”, sagte Kristina Luxen (SPD). Thomas Schlimme (Die Grünen) verband damit die Hoffnung auf einen “Riesenschritt für den ÖPNV”. Es sei schwer nachzuvollziehen, wie die Fachleute zu dem Ergebnis gekommen seien, sagte Daniela Mehler-Würzbach (Die Linke). Doch jetzt habe man eine Orientierungs- und Entscheidungsgrundlage.
Der Generalverkehrsplan zeigt, wie sich der Schienenverkehr in Frankfurt in den nächsten zehn Jahren entwickeln könnte. Dazu wurden aus 56 Ideen und schon längerfristig geplanten Projekten 23 ausgewählt, die ein günstiges Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten versprechen. Auch die Realisierbarkeit sei geprüft worden, sagte die zuständige Sachgebietsleiterin Despina Leonidou. Elf der Projekte kann die Stadt allein vorantreiben, bei den anderen muss sie sich mit der Region abstimmen.
In der Bürgerrunde forderte Willi Loose vom Bündnis Verkehrswende eine intensive Bürgerbeteiligung, um die Grundlage für die Bewertung zu erfahren. Jetzt dürften nicht nur in den Ortsbeiräten die einzelnen Strecken behandelt werden. “Wir müssen auch über das Gesamtnetz diskutieren.”
Die meisten Nachfragen gab es zur Verbindung vom Südbahnhof zur Sachsenhäuser Warte, bei der die Stadtbahn rentabel sein soll. “Warum wird eine Straßenbahn trotz derselben Strecke achtmal schlechter bewertet als eine U-Bahn?”, wollte etwa Mathias Biemann vom Verkehrsclub Deutschland wissen. Auch für viele Stadtverordnete kam das positive Abschneiden einer U-Bahn-Verlängerung Richtung Süden überraschend, wie Martin Huber (Volt) sagte.
Die U-Bahn sei nicht nur schneller als die Straßenbahn, erläuterte Ulrich Rückert vom Beratungsunternehmen Intraplan. Sie würde ein Teil der bis Bad Homburg reichenden A-Strecke der Stadtbahn werden. Durch die große Netzwirkung in Verbindung mit der hohen Geschwindigkeit entstünde ein hoher Nutzen. Außerdem wären die Personalkosten geringer als bei der Straßenbahn. Auch er habe wegen der Bewertung mehrfach nachgefragt, sagte Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen). “Ich bin ein Freund von Straßenbahnen, aber ich habe mich überzeugen lassen.”
Der Leiter der strategischen Verkehrsplanung, Heiko Nickel, führte ein weiteres überraschendes Ergebnis an. Bisher habe man gedacht, die Verlängerung der U-Bahn-Linie 4 Richtung Nordosten lohne sich nur bis zum Atzelberg. Jetzt zeige sich, dass erst die längere Strecke bis nach Bergen rentabel sei. Das liege daran, dass man erst in diesem Fall die parallelen Buslinien einstellen könne, sagte Siefert.
Frank Nagel (CDU) erinnerte daran, dass die frühere Einschätzung auf Zahlen aus dem Jahr 1976 beruht habe. Es sei gut, dass die Potentiale jetzt sauber erarbeitet worden seien. Die CDU fordert in einem Antrag, die elf städtischen Projekte mit Prioritäten zu versehen. “Der Generalverkehrsplan bestimmt die Richtung. Wir wollen mit unserem Antrag das Steuerungsprogramm dazu liefern”, sagte Nagel. Der Mobilitätsdezernent allerdings äußerte Zweifel, ob eine solche Priorisierung Bestand hat, und nannte als Beispiel die auf der Gutleutstraße geplante Straßenbahn. Diese sei unerwartet wegen der Tunnelpläne der Bahn nötig geworden und gewissermaßen “vom Himmel gefallen”. Auch Verkehrsplaner Rückert empfahl, zunächst die elf städtischen Projekte weiter zu vertiefen. Dann werde man sehen, welche sich aufdrängten und was herausfiele.
Eine Bürgerbeteiligung wie beim Masterplan, als allgemein über die Mobilität in der Stadt diskutiert worden sei, könne es in diesem Fall nicht geben, sagte Mobilitätsdezernent Siefert. Mit dem Generalverkehrsplan Schiene lägen die Ergebnisse von konkreten Berechnungen vor. Diese könne man jetzt diskutieren und überprüfen. Das geschehe, lange bevor die Vorplanung in Auftrag gegeben werde. “Wir werden die Entscheidung transparent machen”, versprach Nickel.stopft ist.“
